Schuldensanierer

Wer vor lauter Rechnungen und Mahnungen nicht aus den Augen schauen kann, liest gern die Versprechen der kommerziellen Schuldensanierer. Doch was hat es mit kommerziellen Schulden Sanierern auf sich?


Wie muss sich jemand fühlen, der bei zahlreichen Stellen in den Miesen steht? Was muss das für ein Gefühl sein, wenn monatlich 5, 8 oder 10 verschiedene Posten abgebucht werden, um Ausstände zu tilgen? Geld, das erarbeitet werden muss und dann auf nimmer Wiedersehen verschwindet! Kann es da noch Spaß machen, morgens aufzustehen, um zur Arbeit zu gehen? Kann es Freude bereiten, sich etwas zu gönnen, wenn über dem Kopf das Damoklesschwert der Überschuldung schwebt? Der Gedanke, dass alle Anstrengungen umsonst sind, ist allgegenwärtig und lässt sich nicht abschalten. Schlimmer wird es gar, wenn die Schuldenlast so hoch ist, dass das Zahlen der Raten zur Strapaze wird. Oft genug fällt eine Rate aus, und es hagelt Zahlungserinnerungen und Mahnungen.

Wer in einer solchen Situation steckt, liest gerne die Versprechen der kommerziellen Schuldensanierer: "Wir sorgen dafür, dass Ihre Schulden zusammengefasst werden. So zahlen Sie jeden Monat bequeme, auf Ihre individuelle finanzielle Situation zugeschnittene Raten. Und das nur noch an eine Stelle! Sie müssen nur einmalig unseren Antrag ausfüllen, den Rest regeln wir für Sie." Die Dienstleistung beinhaltet also die Zusammenfassung aller Schulden zu einem Betrag. Und dieser wird mit nur noch einer Rate übersichtlich abgetragen. Damit das Leben erträglicher wird, ist die Gesamtrate gar noch günstiger als die gesammelten Kleinraten im Einzelnen.

Freilich ist es ein Augenschmaus, Versprechen schwarz auf weiß zu lesen, die Linderung der Schmerzen in Aussicht stellen. Aber Schuldensanierer ist nicht gleich Schuldensanierer. Denn neben den zahlreichen seriösen (meist staatlichen oder kommunalen) Schuldensanierern gibt es auch genügend kommerzielle Sanierungsbüros, die oft genug Anlass zur Rüge geben.

Die Praktiken der Schwarzen Schafe


Je mehr Gläubiger ein Schuldner hat, desto beliebter ist dieser Kunde für ein Sanierungsbüro, das statt dem Wohl des Sanierungswilligen nur sein eigenes im Auge hat. Dann heißt es in etwa im abzuschließenden Vertrag: "Unsere Firma ist bereit, die Regulierung Ihrer Schulden im Gesamtbetrag von 40.000 Euro zu übernehmen. Damit wir für Sie tätig werden können, verpflichten Sie sich, monatliche Raten von 1.500 Euro ans uns zu überweisen. Die Zustimmungen Ihrer Gläubiger einzuholen ist Teil unserer Dienstleistung, für die wir Sie mit 12% der über unsere Treuhand zu regulierenden Schuldsumme belasten, mindestens aber mit 5.000 Euro zuzüglich 200 Euro pro Gläubiger."

Aha. Daher weht der Wind, dass ein Kunde mit vielen Gläubigern schmackhafter ist als einer mit nur zweien, denn jeder Gläubiger bringt bares Geld. Aber es geht noch weiter, denn wie sieht es bei Zahlungsunfähigkeit aus, die passieren kann, obwohl nun ein "Profi" die Sache in der Hand hat?

Leider hat es den Anschein, als wollten betrügerische Sanierungsbüros gar nicht, dass die Sanierung abgeschlossen wird. Ein seriöser Schuldensanierer wird - wie bei einem neu aufzunehmenden Kredit - die finanzielle Situation des Kunden prüfen und einen Finanzierungsplan aufstellen. Somit wird eine speziell auf die Lebenssituation zugeschnittene Rate ausgewogen, die eine erfolgreiche Sanierung verspricht.

Zweifelhafte Sanierungsbüros hinterlassen ihre Duftmarke schon beim ersten Gespräch, indem es ihnen offenbar völlig egal ist, ob der neue Kunde die festgesetzten Raten über lange Zeit halten kann. (Oft kommt es gar nicht zum persönlichen Gespräch, weil die Sanierer anonym bleiben wollen). Ein Finanzierungsplan wird nicht erstellt, und die Verpflichtung wird einfach Pi mal Daumen festgesetzt, gekoppelt mit einer unrealistisch langen Sanierungsdauer. Geradezu mit dem Ziel, dass die Sanierung scheitert.

Damit das Büro aber auch bei offensichtlich selbst verschuldetem Misserfolg schadlos bleibt, sehen die allgemeinen Geschäftsbedingungen (AGB) vor, …"dass das vereinbarte Honorar als verfallen gilt, wenn das Mandat infolge Zahlungsverzugs des Schuldners vorzeitig niedergelegt werden muss." Kommt es dann tatsächlich zur Niederlegung durch den Kunden, präsentieren die kommerziellen Schuldensanierer oft unbeeindruckt von ihrem Misserfolg eine saftige Schlussrechnung, mit der die überschuldete Person für die vorzeitige Kündigung des Sanierungsmandats bestraft werden soll.

Die überschuldete Person ist dann um eine Erfahrung, und das Sanierungsbüro um einige Tausend Euro reicher. Die erstaunten Mandanten müssen zur Kenntnis nehmen, dass der Widerruf des Mandates nach einigen Monaten mehr kosten soll als die erfolgreiche Sanierung insgesamt gekostet hätte.

Wichtig!


Soll eine Schuldensanierung die Klienten in eine schuldenfreie Existenz führen, so müssen in der Regel heikle private Fragen angegangen werden. Die dafür erforderlichen Veränderungen im Konsumverhalten können mit den Klienten und ihrem sozialen Umfeld (ihrer Familie, ihren Lebenspartnern usw.) nur dann mit Aussicht auf Erfolg eingeleitet werden, wenn Sanierer und Klient einander kennen und zueinander ein Vertrauensverhältnis aufgebaut haben. Diese Arbeit, welche neben der kaufmännischen auch eine soziale bzw. sozialarbeiterische Kompetenz erfordert, wird von den kommerziellen Schuldensanierern in der Regel nicht geleistet.

Wenn Sie bereits einem betrügerischen Büro ins Netz gegangen sind…


…würden Sie sicher gerne wissen, wie Sie der Spinne entkommen können. Dazu ist es nötig, den Sanierungsvertrag aufzulösen. Nachfolgend ein paar Tipps:

  • Der Auftrag wird widerrufen. Das Büro wird aufgefordert, über die Budgetaufstellung und über seine Verhandlungen mit den Gläubigern Rechenschaft abzulegen und eine Schlussrechnung zu erstellen. TIPP: Stellen Sie gezielte Fragen, wenn Sie Beweise sammeln, dass das Sanierungsbüro unsorgfältig gearbeitet hat: Was für ein Budget wurde erstellt? Welcher Nachlass wurde ausgehandelt? Welche Forderungen wurden rechtlich überprüft? Und so weiter!


  • Dem Sanierungsbüro wird mitgeteilt, welche Pflichten es nicht oder nur unzureichend erfüllt hat. Sollte der Sanierer überhaupt etwas ablegen können, das die Bezeichnung Rechenschaftsbericht verdient, dann stellt sich oft heraus, dass Pflichten, die ihm gemäß Gesetz und Vertrag oblagen, nicht oder nur schlecht erfüllt wurden.


  • Der Sanierer wird aufgefordert, für den Schaden aufzukommen, der infolge der Verletzung seiner Sorgfaltspflicht entstanden ist oder der eventuell noch entstehen wird.


  • Die Schlussrechnung wird nicht anerkannt.


  • Zur Verfügung gestellte Unterlagen werden zurückverlangt.


  • Das Sanierungsbüro wird aufgefordert, einen angemessenen Teil der bereits gezahlten Beträge, die es erhalten, aber nicht an die Gläubiger weitergeleitet hat, zurückzuzahlen.


Beispiel für ein Auflösungsschreiben:



Sehr geehrte Damen und Herren,

Hiermit kündige ich den Schuldensanierungsvertrag vom mit sofortiger Wirkung. Bitte informieren Sie mich über Ihre Bemühungen, indem Sie folgende Fragen beantworten:

1. Was für ein Sanierungsbudget haben Sie aufgestellt?
2. Wie lange sollte die Sanierung dauern?
3. Was für rechtliche Abklärungen haben Sie getroffen?
4. Welche Nachlässe haben Sie ausgehandelt?

Bitte senden Sie mir die Unterlagen zurück, welche ich Ihnen zur Verfügung gestellt habe.

Mit freundlichen Grüssen

Unterschrift




Wenn Sie derartige Erlebnisse vermeiden wollen, wenn Sie nicht noch mehr Schulden anhäufen möchten, anstatt diese zu verringern, dann wenden Sie sich lieber an jemanden, dem Sie vertrauen.

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Schuldensanierer: Wer vor lauter Rechnungen und Mahnungen nicht aus den Augen schauen kann, liest gern die Versprechen der kommerziellen Schuldensanierer. Doch was hat es mit kommerziellen Schulden Sanierern auf sich?

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